| 6. Die Diskussion um Business TV | ||
| Im
Internet finden sich hauptsächlich Erfolgsstorys über Business TV. Wie einleitend schon
erwähnt, resultiert das hauptsächlich daraus, daß einerseits Anbieter über Nutzen und
Möglichkeiten informieren, d.h. die eigenen Leistungen herausheben, andererseits - zum
Beispiel im Rahmen der Gründung der Forschungsinitiative NRW - Firmen über ihre Erfolge
berichten. Besonders positiv waren die Prognosen über die Nutzung von Business TV in Deutschland zur Zeit der Einführungsphase bei vielen Firmen (ab Mitte der 90er Jahre). Dieter Binder, Mitglied der Geschäftsleitung Pro 7 Digital Media, ging z.B. 1997 von 500 gewerblichen Nutzern bzw. 300 Mio. DM Umsatz im Jahre 2000 aus.23 Doch hier gilt wahrscheinlich der Ausspruch: ,,Alles scheint möglich, solange noch keine Erfahrungen dagegen sprechen."24, denn die Zahlen heute weisen zu den optimistischen Prognosen von 1997 doch eine große Differenz auf. Eine richtige kritische Auseinandersetzung mit Business TV findet im Internet nicht statt. Lediglich vereinzelt sind Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitte zu finden, die Business TV kritisch beleuchten. Zusammenfassend lassen sich folgende kritische Erfolgsfaktoren festhalten: Business TV ist kein Selbstläufer. Es als DAS Instrument im Kommunikationsmix eines Unternehmen zu sehen, ist ein Irrweg. Vielmehr muß es sinnvoll in den Kommunikationsmix integriert werden. Dazu gehört einerseits, daß es bei der Einführung intensiv durch andere Kommunikationsmedien beworben und anschließend nachbereitet wird. Eine Sendung darf nicht nur ein Initialfunke sein, wie es auch häufig bei Firmenveranstaltungen, sogenannten ,,Events", passiert. Business TV kann andere Instrumente nicht ersetzen, sondern ergänzen. Der Einsatz von Business TV muß im Einklang mit der Unternehmensphilosphie eines Unternehmen stehen. Wenn beispielsweise mit der Einführung von Business TV ein verstärkter Dialog zwischen Managementebene und Mitarbeitern angekündigt wird, aber die Vorstände zu eitel sind bzw. Angst haben, vor ihren Mitarbeitern bloßgestellt zu werden, und daher auf die Interaktivität verzichtet wird, dann kann durch diesen Widerspruch kein positiver Effekt auf die Mitarbeitermotivation erzielt werden.25 Zudem kann durch Business TV eine effiziente hierarchieübergreifende Unternehmenskommunikation eingeleitet werden, die alte Strukturen aufbricht. Damit kann eine Kulturrevolution im Unternehmen ausgelöst werden. Um diesen Prozess steuern zu können, sollte Business TV mit Cultural Change Konzepten vorbereitet und als solches geführt werden.26 Ein dritter kritischer Punkt ist die Programmgestaltung. Oft ist das fehlende Know-how bei der didaktischen und filmwissenschaftlichen Umsetzung ausschlaggebend für ausbleibende Erfolge.27 Der Spiegel schreibt dazu: ,,Einige der deutschen Unternehmen, die sich mit ihrem Firmen-Fernsehen an der Spitze des Fortschritts wähnen, produzieren im besten Falle Mittelmaß. ,,Unterirdische Qualität", bescheinigt der Chefredakteur eines öffentlich-rechtlichen Senders etlichen der Angebote. Und: ,,Das sieht oft so aus wie Videos von Onkel Heinrichs 70. Geburtstag.""28 Für die Entwicklung des Business TVs in Deutschland ist auch die medienrechtliche Behandlung entscheidend. Ein Beispiel dafür ist eine Gebührenbefreiung für Settopboxen, die zum Empfang von digitalen Sendungen notwendig ist. Nach derzeitiger Gesetzeslage unterliegt der Einsatz einer Settopbox in jedem Fall der TV-Zwangsabgabe nach dem Rundfunkgebührenstaatsvertrag. Diese Gebühren sind allerdings für Business TV-Anbieter ein großer Kostenfaktor.29 Die Frage nach der medienrechtlichen Behandlung von Business TV läßt sich nicht pauschal beantworten, sondern ist abhängig von der jeweiligen Variante. Ein entscheidendes Kriterium für die medienrechtliche Behandlung ist der Adressatenkreis, z.B. unternehmensintern oder an die Allgemeinheit wie bei BASF-TV.30 Auch wichtig für die Entwicklung des Business TV ist die Förderung von privater wie auch staatlicher Seite. Dazu gehört auch die weitere Forschung von Business TV, zum Beispiel über die tatsächlichen Erfolge in der Praxis. Im folgenden Kapitel werden die im Internet vertretenen Förderinitiativen sowie einige Forschungseinrichtungen vorgestellt. |